Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff: Ex Karstadt-Quelle Bankrott. Buchvorstellung 2 Schuldig

editiert -Foto Wolfgang Koempel Redaktion Berlin

Den 1953 in Düsseldorf geborenen Ex-Topmanager, Ex-Gefängnisinsassen und jetzigen Autor Thomas Middelhoff kann man als „schillernde Person“ bezeichnen. Würde man das Leben von Thomas Middelhoff verfilmen wollen und es gäbe tatsächlich einen Filmproduzenten, der noch nie etwas von Thomas Middelhoff gehört haben sollte, der Produzent würde bestimmt dem Drehbuchautor mitteilen: „Das Drehbuch ist zu unglaubwürdig, zu viel Märchen a la 1.001 Nacht.“ Dabei sind das Leben und die Vita von Thomas Middelhoff keine Fiktion, es ist Realität. Einst war er 

Vorstandschef der Konzerne Bertelsmann, Karstadt-Quelle (später Arcandor genannt), er war 14 Jahre im Board der „New York Times“ und dann kam der ganz große Absturz. Im Gerichtssaal noch wurde Middelhoff verhaftet, ihm wurden Fluchtpläne unterstellt. Wegen Untreue und Steuerhinterziehung machte der einstige Wirtschaftskapitän Bekanntschaft mit dem „Kittchen.“ Er wurde von den einstigen Bekannten aus den Vorständen und Aufsichtsräten der großen DAX-Unternehmen gemieden. Plötzlich hatten es alle gewusst, dieser Middelhoff war schon immer das, was die Richter, die ihn ins Gefängnis gesteckt hatten, attestiert hatten: Ein Gauner, ein Verbrecher, ein Schuft. Ein Aussätziger also. Fanden Wirtschaftsbosse in den Medien Fotos mit sich und diesem Middelhoff, war es ihnen nun auf einmal peinlich. Vorher hatten

dieselben Leute um seine Nähe gebuhlt. Thomas Middelhoff verlor Freunde, sein Vermögen und am Ende ging auch seine Ehe in die Brüche. In der Justizvollzugsanstalt fand der einstige Vorzeigemanager zu Gott und sich selbst. Im Rahmen einer Pressekonferenz berichtete Thomas Middelhoff sehr aufrichtig am 20. August in Berlin von seinem Leben. Im Gefängnis wurde er zum Autor. Sein erstes Buch trägt den Titel „A115- Der Sturz.“ Sein jetzt im adeo-Verlag erschienenes Werk betitelte er mit: „Schuldig- Vom Scheitern und Wiederaufstehen.“ Der Autor berichtet sehr viel über sein ethisches Versagen. „Statt demütig zu sein war ich hochmütig“, gab er auf der Pressekonferenz offen zu. Dieser große Fehler habe zum tiefen Fall geführt. Jetzt wolle er seine Talente als Berater unter Beweis stellen, „so Gott will“, wie er sagte. „Man muss es so sehen, wie es ist: Kein Unternehmen stellt mich jetzt als Manager ein.“ Er ist der Ex-Häftling und in Konkursgegangene Ex-Manager, keiner will etwas mit ihm zu tun haben und verständlicherweise schreiben die Medien über ihn immer zuerst über seine Schandtaten. „Ich war ja auch zu prominent, um einfach abzutauchen. In der Haft habe ich Gefangene kennengelernt, die am Tage des Freiganges stundenlang sich auf die Sonnenbank eines Sonnenstudios gelegt hatten. Beim anschließenden Besuch im Haus von der Frau und den Kindern wird den Nachbarn und Verwandten der braungebräunte Mensch gezeigt. Er ist gerade auf Heimaturlaub aus Saudi-Arabien zurückgekommen und fliegt bald wieder zurück, um die Montagearbeiten zu beenden.“ Middelhoff konnte auch berichten, er habe es in der Haft nicht leicht gehabt. „Korrekt wurde ich von den Justizvollzugsbeamten immer behandelt. Vergünstigungen gab mir die Anstaltsleitung immer als Letztem auf der Skala. Man wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, der Top-Manager erhält Privilegien.“ Seine Suche nach Gott ist im Gefängnis erfolgreich gewesen. Der bekennende Katholik kam an einem Freitag in Untersuchungshaft und der Gottesdienst am Sonntag war für ihn eine regelrechte Erweckung. In der Strafhaft sang er im Evangelischen Chor. Lustig war eine Begebenheit, als der Rotary Club die JVA besuchte und zahlreiche Gönner und Förderer des Rotary Club, darunter Unternehmer und Manager, trafen den Ex-Manager als Sänger von Gospellieder. Zu diesem Zeitpunkt konnte ab und zu Middelhoff schon über sich selber leise schmunzeln. Ehrlich gab er auch zu: „Ja, ich habe narzisstische Elemente. Ich bin damit aber kein Einzelfall in der Wirtschaft.“ Er teilte auch mit, er wolle auf keinen Fall etwas Schönreden, er gab aber zu bedenken: „Wissen Sie eigentlich, wie viele Insolvenzen Herr Trump hingelegt hat, bevor er US-Präsident geworden ist?“ Ja, Thomas Middelhoff ist gegen eine Wand gelaufen und hingefallen. Das kann beinahe jedem Menschen passieren. Man muss aber dann auch wieder aufstehen. Und diese unsere Gesellschaft muss auch Demut zeigen und dem Gefallenen gestatten, aufzustehen. Daran mangelt es in Deutschland, so der Autor. Er bittet einfach darum, eine zweite Chance zu erhalten. Nicht mehr und nicht weniger. Thomas Middelhoff hat mit seinem Werk „Schuldig- Vom Scheitern und Wiederaufstehen“ uns ein Werk geliefert, dass nicht nur sehr viel über ihn preisgibt, es ist auch die Aufforderung, Größe zu zeigen und verzeihen zu können. Der Mensch kann sich irren, er kann sich ändern! Ein sehr lesenswertes Werk, das das reale Leben eines Ex-Topmanagers beschreibt und keine Fiktion ist. Das im adeo-Verlag erschiene Buch kostet im deutschen Buchhandel 22 Euro. Es ist gebunden mit Schutzumschlag und umfasst 208 Seiten. Die ISBN lautet 978-3-86334-240-1. (Text: Volkert Neef/Fotos: Wolfgang K

Schreibe einen Kommentar